Eiszeit bei IKEA

Vielleicht soll es ein Kontrast zur globalen Erwärmung sein. Vielleicht ein Irrtum. Vielleicht aber auch nicht.

Der meistherbeigesehnte Jahres-Hauptkatalog der Möbel-Einzelhandels-Branche für die Saison 2009/2010 (offiziell “2010″ genannt) landet in diesen Tagen in den Postkästen der Welt. Zumindest wenn auf jenen kein “Bitte keine Werbung einwerfen”-Sticker klebt. Bei mir gibt es einen solchen (Aufschrift natürlich in Frutiger Heavy gehalten). Das hält zwar Pizzeriaflyer-Verteiler nicht davon ab, ihre Pamphlete reinzuschmeißen, aber den neuen IKEA-Katalog musste ich aus dem Altpapier meiner Nachbarn fischen. So sieht die linke obere Ecke aus:

Da fängt das Frösteln an...

Da fängt das Frösteln an...

Hätte ich ihn lieber in der Tonne gelassen! Denn für mich als professioneller Kataloggestalter waren die Prospekte der super-sympathischen Schweden immer das große Vorbild gewesen. 4 Dinge hatten mich immer begeistert:

  1. Katalogformat: Die Diagonale entspricht genau der Höhe einer DIN A4-Seite – genial!
  2. Sprache: Kurze Sätze, natürlicher Sprachfluss. Vom unbarmherzigen “du” abgesehen einfach schön zu lesen.
  3. Fotos: Nichts gephotoshopt, sondern alles richtig fotografiert.
  4. Typo: Futura hat nicht nur einigen politischen Parteien zu großen Erfolgen verholfen.

Am Format und den Fotos hat sich zum Glück nichts geändert. Der Rest lässt mich frösteln. Es fängt bei der Jahreszahl an: Die hat man nun klein in die linke Ecke verbannt und auch noch um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Das gab es zuletzt 2007. Offensichtlich ist jemand nach zwei Jahren als Design-Verantwortlicher gefeuert worden. Der neue hat dann gleich gründlich aufgeräumt und auch eine neue Katalogschrift einfeführt. Es ist die banale Verdana. Beliebt für E-Mails und Webseiten. Gehasst in der Druckproduktion, da sich die Laufweite kaum auf ein lesbares Maß bringen lässt und weil einige Zeichen einfach gnadenlos hässlich sind. Das kleine “j” etwa oder die “1″. Und die springt einem bei der 2010 auch gleich gnadenlos in die Augen.

Längere Texte oder Listen wie das Inhaltsverzeichnis flimmern geradezu vor den Augen. Kein Wunder: Die Bildschrimschrift Verdana mach aus dem Prospekt eine Mattscheibe. Das Lesen macht so gar keinen Spaß mehr und dann kommt auch noch die Sprache: “In unserem IKEA BUSINESS Netzwerk lässt es sich wunderbar Ideen austauschen oder abgucken, wie Kollegen ihre Geschäftsräume eingerichtet haben – vom Schaufenster im Snowboard-Shop bis zur Kaffeebar im Tattoo-Studio.” Da rumpelt es gewaltig in der Syntax und entspannt klingt es auch nicht.

Kinder, was habt Ihr getan? Neben dem Bett liegt der IKEA-Katalog bei mir ab sofort nicht mehr. Ansonsten müsste ich mir wohl eine extra-Decke “MYSA RÖNN” bestellen…




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